Ratgeber · Vorstellungsgespräch
Erzähl etwas über dich: Selbstvorstellung im Gespräch
Fast jedes Vorstellungsgespräch beginnt mit dieser Bitte. Sie klingt offen, aber sie ist keine Einladung zur Lebensgeschichte. Mit einem klaren Aufbau stellst du dich kurz und passend zur Stelle vor.
„Erzählen Sie etwas über sich“ ist oft die erste Frage im Vorstellungsgespräch. Sie dient dem Einstieg und zeigt, wie du dich ausdrückst und was du selbst für wichtig hältst. Die Antwort ist kein Lebenslauf in gesprochener Form, sondern ein kurzer Pitch: Wer bist du beruflich, was hast du bisher gemacht, und warum passt das zu dieser Stelle?
Der Aufbau in drei Schritten
- Gegenwart: Was machst du aktuell? Beruf, Studium oder Ausbildung in einem Satz.
- Vergangenheit: Welche ein bis zwei Stationen oder Erfahrungen sind für die Stelle am wichtigsten? Nenne konkret, was du dort getan oder erreicht hast.
- Zukunft: Warum bewirbst du dich genau hier? Schlage die Brücke zur Stelle und zum Unternehmen.
Das Schema folgt dem roten Faden „Wo stehe ich, was bringe ich mit, wo will ich hin“. Wichtig ist der dritte Schritt, denn er beantwortet die Frage, die sich die Gesprächspartner eigentlich stellen: Warum sollen wir mit dir sprechen?
Ein Beispiel
Das Beispiel ist frei erfunden und zeigt nur die Struktur. Ersetze alle Angaben durch deine eigenen und sprich in deinen Worten.
„Ich arbeite seit drei Jahren als Sachbearbeiterin im Einkauf eines Maschinenbauers und betreue dort die Lieferantenverträge für Normteile. In dieser Zeit habe ich die Angebotsvergleiche in eine einheitliche Vorlage überführt, sodass wir Anfragen schneller bearbeiten konnten. Zuvor habe ich meine Ausbildung zur Industriekauffrau abgeschlossen. Jetzt möchte ich mehr Verantwortung für Verhandlungen übernehmen. Deshalb hat mich Ihre Anzeige für die Einkäuferstelle angesprochen, in der es genau um die Betreuung von Lieferanten geht.“
Das sind vier Sätze, die in rund einer halben Minute gesprochen sind. Du kannst sie bei Bedarf um ein Beispiel ergänzen, bleibst aber unter zwei Minuten.
So findest du die passenden Stationen
- Lies die Stellenanzeige und markiere die drei wichtigsten Anforderungen.
- Suche in deinem Lebenslauf die Erfahrungen, die dazu passen.
- Streiche, was nicht zur Stelle beiträgt. Nicht jede Station muss vorkommen.
- Formuliere pro Station einen Satz mit einer konkreten Tätigkeit oder einem Ergebnis.
Wie du aus Erfahrungen belegbare Antworten machst, erklärt der Ratgeber zur STAR-Methode. Sie hilft dir auch bei den Nachfragen, die auf die Selbstvorstellung folgen.
Wenn du wenig Berufserfahrung hast
Bei Ausbildung, Studium oder Berufseinstieg nimmst du Schule, Praktika, Nebenjobs, Projekte und Ehrenamt als Stationen. Entscheidend ist wieder der Bezug zur Stelle: Ein Schulprojekt, in dem du ein Team koordiniert hast, kann für die Ausbildung zur Kauffrau mehr sagen als ein beliebiger Ferienjob. Mehr dazu findest du im Ratgeber Lebenslauf als Schüler.
Wenn du in eine andere Branche wechselst
Starte mit dem, was du kannst, und nicht mit dem, was fehlt. Nenne, was aus deiner bisherigen Arbeit auch in der neuen Rolle gebraucht wird, und sag ehrlich, wofür du dich einarbeiten wirst. Hilfreiche Beispiele stehen im Ratgeber Bewerbung als Quereinsteiger.
Häufige Fehler
- Der Lebenslauf wird von vorn bis hinten vorgelesen. Das kennen die Gesprächspartner schon.
- Zu privat. Familienstand, Wohnsituation und Urlaubspläne gehören nicht in die Antwort.
- Kein Bezug zur Stelle. Ohne den dritten Schritt bleibt offen, warum du dich bewirbst.
- Zu lang oder zu kurz. Ein Satz wirkt abweisend, fünf Minuten wirken unstrukturiert.
- Auswendig gelernt. Merke dir Stichpunkte statt Sätze, dann klingst du natürlich.
- Übertreibung. Alles, was du erzählst, kann nachgefragt werden. Bleib bei dem, was stimmt.
Checkliste
- Drei Schritte: aktuell, bisher, warum diese Stelle
- Zwei bis drei Stationen mit je einer konkreten Tätigkeit
- Ein bis zwei Minuten, laut geübt
- Stichpunkte statt Wortlaut
- Der Lebenslauf passt zu dem, was du sagst
Die Grundlage für ein stimmiges Gespräch ist ein Lebenslauf, hinter dem du stehst. Wie er aufgebaut wird, steht im Ratgeber Lebenslauf schreiben.
So hilft dir Hirezard
Nach dem ersten Export erstellt der KI-Coach von Hirezard Fragen, die zu Stelle und Lebenslauf passen. Du antwortest per Text oder Sprache und bekommst Feedback dazu, was gut war und was du verbessern kannst. Der Coach ist als KI gekennzeichnet und erfindet nichts: Eine stärkere Version entsteht nur aus Fakten, die du bestätigt hast. Wie das aussieht, zeigen die Beispielkarten auf der Startseite.
Häufige Fragen
Wie lang darf die Selbstvorstellung sein?
Als Richtwert gelten ein bis zwei Minuten. Die Personen am Tisch kennen deinen Lebenslauf bereits und fragen nach, wenn sie mehr wissen möchten.
Soll ich meinen Lebenslauf nacherzählen?
Nein. Wähle zwei oder drei Stationen aus, die zur Stelle passen, und lass den Rest weg. Der Lebenslauf liegt vor.
Darf ich auch etwas Privates erwähnen?
Ein kurzer Satz zu einem Hobby oder Engagement ist in Ordnung, vor allem wenn er etwas über dich als Kollegin oder Kollegen verrät. Der Schwerpunkt bleibt beruflich.
Muss ich die Antwort auswendig lernen?
Lerne die drei Schritte und deine Stichpunkte, nicht den Wortlaut. Ein frei gesprochener Text wirkt natürlicher als ein aufgesagter.