Ratgeber · Schule, Studium, Berufseinstieg

Bewerbung für die Ausbildung: Unterlagen und Ablauf

Für eine Ausbildung bewirbst du dich meist noch aus der Schule heraus, ohne viel Berufserfahrung. Das ist normal und jeder Betrieb weiß das. Hier steht, welche Unterlagen du brauchst, wie du ein überzeugendes Anschreiben schreibst und was nach dem Absenden passiert.

Von Timur Aktas Gonzalez · Aktualisiert am 21.10.2026 · 8 Min. Lesezeit

Eine Bewerbung für die Ausbildung unterscheidet sich von einer Bewerbung mit Berufserfahrung vor allem in einem Punkt: Der Betrieb sucht nicht jemanden, der den Beruf schon kann, sondern jemanden, der ihn lernen will und dafür gute Voraussetzungen mitbringt. Deine Aufgabe ist es, diese Voraussetzungen sichtbar zu machen. Das gelingt mit Schule, Praktika, Nebenjobs, Hobbys und einem Anschreiben, das zeigt, warum du dich für genau diesen Beruf entschieden hast.

Welche Unterlagen brauchst du?

Fast alle Betriebe erwarten dieselben Bestandteile. Steht in der Anzeige etwas anderes, gilt die Anzeige.

Unterlage Was hineingehört Hinweis
Anschreiben Warum dieser Beruf, warum dieser Betrieb, was du mitbringst Eine Seite, kein Lebenslauf in Satzform
Lebenslauf Kontaktdaten, Schule, Praktika, Nebenjobs, Kenntnisse, Interessen Tabellarisch, aktuellste Station oben
Zeugnisse Das letzte Schulzeugnis oder das Abschlusszeugnis, sonst was die Anzeige verlangt Gut lesbar eingescannt
Nachweise Praktikumsbescheinigungen, Kurse, Erste-Hilfe-Kurs, Ehrenamt Nur, was zur Ausbildung passt
Deckblatt Optional, mit Foto und Kontaktdaten Bei Onlinebewerbungen selten nötig

Wie du den Lebenslauf als Schülerin oder Schüler aufbaust, mit Beispielen für jede Rubrik, steht im Ratgeber Lebenslauf als Schüler. Ob ein Deckblatt sinnvoll ist, erklärt der Artikel zum Deckblatt der Bewerbung, und in welcher Reihenfolge du alles zusammenstellst, steht unter Bewerbungsmappe: die richtige Reihenfolge. Ein Foto ist freiwillig; worauf es ankommt, wenn du eins nutzt, steht im Ratgeber zum Bewerbungsfoto.

Wann bewirbst du dich?

Der richtige Zeitpunkt hängt vom Betrieb ab. Größere Betriebe suchen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit schon bis zu eineinhalb Jahre vor Beginn der Ausbildung, Banken, Versicherungen und der öffentliche Dienst besonders früh. Sie rät, in der Regel nach dem Jahreszeugnis der vorletzten Klasse mit den Bewerbungen zu starten. Handwerksbetriebe und kleinere Firmen entscheiden oft später, manche sogar noch kurz vor dem Start.

Für dich heißt das: Fang früh an, dich zu informieren. Ein guter Plan sieht so aus:

  1. Berufe klären: Welche Ausbildung passt zu dir? Praktika, Berufsberatung der Agentur für Arbeit und Gespräche mit Auszubildenden helfen.
  2. Betriebe sammeln: Ausbildungsbörsen, Karriereseiten, die Lehrstellenbörsen der Kammern und Betriebe in deiner Nähe.
  3. Fristen notieren: Für jeden Betrieb, ab wann und bis wann Bewerbungen angenommen werden.
  4. Unterlagen vorbereiten: Lebenslauf und Zeugnisse liegen fertig vor, bevor die ersten Fristen beginnen.
  5. Bewerbungen verschicken und festhalten: Wann, wo, mit welchem Stand. Eine einfache Tabelle reicht.

Wenn du deine Bewerbungen im Blick behalten willst, findest du unter kostenlose Vorlagen einen Bewerbungs-Tracker für Excel und Word-Vorlagen für Lebenslauf und Anschreiben zur Ausbildung.

Das Anschreiben für die Ausbildung

Das Anschreiben ist für viele der schwierigste Teil, weil die Erfahrung fehlt, über die man schreiben könnte. Dabei erwartet niemand Berufserfahrung. Der Betrieb will drei Dinge wissen: Warum willst du diesen Beruf lernen? Warum bei uns? Was bringst du schon mit?

Der formale Aufbau ist derselbe wie bei jedem Anschreiben, mit Absender, Empfänger, Datum, Betreff, Anrede, Text und Grußformel. Die Details stehen im Ratgeber Anschreiben: Aufbau, Formulierungen und Beispiele. Inhaltlich hilft diese Gliederung:

Absatz Inhalt
Einstieg Für welche Ausbildung du dich bewirbst und was dich am Beruf interessiert
Bezug zum Beruf Praktikum, Schulfach, Nebenjob oder Hobby, das deine Wahl begründet
Bezug zum Betrieb Warum gerade dieser Betrieb, möglichst konkret
Schluss Wann dein Abschluss ansteht, Freude auf ein Gespräch

Beispiele für einzelne Absätze

Die Beispiele sind erfunden. Übernimm die Struktur, nicht die Sätze.

Einstieg für eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement:

„In meinem zweiwöchigen Schulpraktikum in der Verwaltung einer Wohnungsgenossenschaft habe ich Post sortiert, Termine eingetragen und Anfragen von Mieterinnen am Telefon aufgenommen. Dabei habe ich gemerkt, dass mir genau diese Mischung aus Organisation und Kontakt mit Menschen liegt. Deshalb bewerbe ich mich bei Ihnen um einen Ausbildungsplatz als Kauffrau für Büromanagement.“

Bezug zum Beruf für eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker:

„Seit zwei Jahren repariere ich mit meinem Onkel am Wochenende Mopeds und Fahrräder. Ich wechsle Bremsbeläge, stelle Vergaser ein und suche Fehler an der Elektrik. Im Fach Physik gehört Elektrizitätslehre zu meinen Lieblingsthemen, und in Mathematik stehe ich auf einer guten Note.“

Bezug zum Betrieb:

„Auf Ihrer Karriereseite habe ich gelesen, dass Auszubildende bei Ihnen im zweiten Jahr eigene Kundenaufträge mit betreuen. Genau diese Verantwortung wünsche ich mir für meine Ausbildung.“

Schluss:

„Im Sommer schließe ich die Realschule ab und kann die Ausbildung zum 1. August beginnen. Ich freue mich, wenn ich mich bei Ihnen persönlich vorstellen darf.“

Was im Anschreiben nicht hilft

  • Sätze, die zu jedem Betrieb passen, etwa „Ihr Unternehmen hat mich schon immer interessiert“
  • Eigenschaften ohne Beleg wie „Ich bin teamfähig, pünktlich und zuverlässig“
  • Entschuldigungen für Noten oder fehlende Erfahrung
  • Übertreibungen, die im Gespräch nicht standhalten

Was du stattdessen über deine Eigenschaften schreiben kannst, zeigt der Ratgeber Stärken und Schwächen. Weitere Regeln für einen starken Text stehen in den Anschreiben-Tipps.

Zeugnisse, Praktika und Nachweise

Zeugnisse sind bei Ausbildungsbewerbungen wichtiger als später im Berufsleben, weil sie oft der einzige formale Nachweis sind. Betriebe schauen meist auf die Fächer, die für den Beruf zählen: Mathematik für technische und kaufmännische Berufe, Deutsch für Berufe mit viel Schriftverkehr, Biologie für Gesundheitsberufe. Auch Fehlzeiten und Bemerkungen zum Sozialverhalten können eine Rolle spielen.

Praktika zeigen, dass du den Beruf nicht nur aus dem Internet kennst. Wenn du eine Praktikumsbescheinigung hast, leg sie bei. Wenn nicht, beschreibe das Praktikum im Lebenslauf mit zwei Stichpunkten zu deinen Aufgaben. Ein Nebenjob, ein Ehrenamt in der Jugendfeuerwehr oder im Sportverein und ein Kurs wie Erste Hilfe zählen ebenfalls, wenn du sie konkret beschreibst.

Scanne alle Dokumente gut lesbar ein, gerade ausgerichtet, ohne Schatten. Bei Onlinebewerbungen fasst du alles zu einer PDF zusammen, wenn der Betrieb nichts anderes verlangt. Wie das per E-Mail aussieht, erklärt der Ratgeber Bewerbung per E-Mail.

Der Einstellungstest

Manche Betriebe, häufig größere, laden vor dem Gespräch zu einem Einstellungstest ein. Er findet vor Ort oder online statt. Typische Bereiche sind:

Bereich Typische Aufgaben
Allgemeinwissen Politik, Geschichte, Geografie, Wirtschaft
Mathematik Dreisatz, Prozentrechnung, Kopfrechnen, Textaufgaben
Deutsch Rechtschreibung, Kommasetzung, Textverständnis
Logik Zahlenreihen, Figuren ergänzen, Muster erkennen
Konzentration Zeichen durchstreichen, Fehler finden unter Zeitdruck
Berufsbezogen Technisches Verständnis, räumliches Denken, Fachbegriffe

Vorbereiten kannst du dich mit Übungsbüchern und Übungstests. Wichtiger als jede einzelne Aufgabe ist, das Format zu kennen und unter Zeitdruck ruhig zu bleiben. Lass schwierige Aufgaben aus und komm später zurück, wenn Zeit bleibt.

Das Vorstellungsgespräch

Wer eingeladen wird, hat schon überzeugt. Im Gespräch geht es darum, ob du in den Betrieb passt und ob deine Motivation echt ist. Typische Fragen sind:

  • Warum möchtest du diesen Beruf lernen?
  • Warum hast du dich bei uns beworben?
  • Was hast du im Praktikum gemacht?
  • Was sind deine Stärken, was fällt dir schwer?
  • Was machst du in deiner Freizeit?
  • Hast du Fragen an uns?

Antworte mit kleinen Beispielen aus deinem Alltag. Statt „Ich bin hilfsbereit“ erzählst du, wie du in der Schule Nachhilfe gegeben hast. Wie du solche Antworten aufbaust, steht im Ratgeber zur STAR-Methode. Bereite zwei, drei eigene Fragen vor, etwa zur Berufsschule, zu den Abteilungen, die du durchläufst, oder zu den Chancen auf Übernahme.

Zur Kleidung: ordentlich und eine Stufe gepflegter als im Alltag. Für eine Bank wählst du anderes als für einen Handwerksbetrieb. Im Zweifel kannst du vorher fragen.

Nach einer Zusage schließt du einen Ausbildungsvertrag. Die Probezeit dauert nach § 20 BBiG mindestens einen und höchstens vier Monate. Bist du noch keine 18, brauchst du vor dem Start eine ärztliche Erstuntersuchung, die nicht länger als 14 Monate zurückliegt (§ 32 JArbSchG).

Checkliste vor dem Absenden

  • Name des Betriebs, Ausbildungsberuf und Ansprechperson stimmen in Anschreiben und Betreff
  • Anschreiben auf eine Seite, mit konkretem Bezug zu Beruf und Betrieb
  • Lebenslauf vollständig, mit Schule, Praktika und Kenntnissen
  • Die geforderten Zeugnisse sind dabei und gut lesbar
  • E-Mail-Adresse wirkt seriös, zum Beispiel vorname.nachname@
  • Alles in einer PDF mit sinnvollem Dateinamen
  • Eine zweite Person hat gegengelesen

Ob eine Bewerbungssoftware deine PDF lesen kann, prüfst du kostenlos mit dem PDF-Check.

Wie ein fertiger Lebenslauf und ein Anschreiben in deinem Wunschberuf aussehen können, zeigen die Vorlagen nach Beruf.

So hilft dir Hirezard

Hirezard liest deine vorhandenen Unterlagen aus, zum Beispiel einen alten Lebenslauf oder eine Praktikumsbescheinigung, und fragt nach, was fehlt. Der KI-Coach schlägt ein Anschreiben passend zur Ausbildungsanzeige vor, erfindet aber nichts: Was du nicht angegeben hast, bleibt als Platzhalter markiert. Nach der Bewerbung kannst du mit dem KI-Coach das Vorstellungsgespräch üben, mit Fragen passend zu Stelle und Lebenslauf und Feedback nach der STAR-Methode. Du kannst es kostenlos ausprobieren.

Quellen

  1. So bewirbst du dich auf eine Ausbildung, Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am
  2. Den perfekten Lebenslauf erstellen, Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am
  3. § 20 BBiG: Probezeit, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am
  4. § 32 JArbSchG: Erstuntersuchung, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am

So wählen und prüfen wir Quellen

Häufige Fragen

Wann sollte ich mich für eine Ausbildung bewerben?

Größere Betriebe suchen laut Bundesagentur für Arbeit schon bis zu eineinhalb Jahre vor dem Ausbildungsbeginn, Banken, Versicherungen und der öffentliche Dienst besonders früh. Kleinere Betriebe entscheiden häufig kurzfristiger. Schau in die Anzeige und auf die Karriereseite, dort steht meist eine Frist.

Welche Zeugnisse muss ich beilegen?

Mindestens das letzte Schulzeugnis, bei einem bereits erreichten Abschluss das Abschlusszeugnis. Verlangt die Anzeige mehr, etwa die letzten beiden Zeugnisse, gilt die Anzeige. Praktikumsbescheinigungen und Nachweise über Kurse oder Ehrenamt legst du dazu, wenn sie zur Ausbildung passen.

Brauche ich ein Bewerbungsfoto?

Nein. Ein Foto ist in Deutschland freiwillig, auch die Bundesagentur für Arbeit nennt es kein Muss mehr. Wenn du eins nutzt, sollte es aktuell und neutral sein.

Was mache ich, wenn meine Noten nicht gut sind?

Erkläre sie nicht ungefragt im Anschreiben. Zeige stattdessen, was für dich spricht: ein Praktikum, ein Nebenjob, ein Hobby mit Bezug zum Beruf, gute Noten in den Fächern, die für die Ausbildung wichtig sind. Im Gespräch kannst du ehrlich sagen, woran es lag und was sich geändert hat.

Wie viele Bewerbungen sollte ich schreiben?

Dafür gibt es keine feste Zahl. Wichtiger als viele gleiche Bewerbungen sind passende Bewerbungen, die auf den Betrieb eingehen. Wer sich für einen gefragten Beruf bewirbt, sollte sich trotzdem bei mehreren Betrieben bewerben.