Ratgeber · Anschreiben

Initiativbewerbung: so bewirbst du dich ohne Anzeige

Nicht jede Stelle wird ausgeschrieben. Mit einer Initiativbewerbung meldest du dich, bevor es eine Anzeige gibt. Damit sie gelesen wird, braucht sie einen klaren Grund, eine konkrete Ansprechperson und ein Ziel, das zum Unternehmen passt.

Von Timur Aktas Gonzalez · Aktualisiert am 21.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Nicht jede Stelle wird über eine Anzeige besetzt. Laut IAB-Stellenerhebung kam 2016 etwa ein Drittel aller Neueinstellungen über eigene Mitarbeitende oder persönliche Kontakte zustande. Großbetriebe besetzten rund 13 Prozent ihrer Stellen über Initiativbewerbungen, Kleinbetriebe rund 6 Prozent. Eine Initiativbewerbung ist der Versuch, dich zur richtigen Zeit zu melden. Sie ist anspruchsvoller als eine Bewerbung auf eine Anzeige, weil dir niemand sagt, was gesucht wird. Du musst selbst begründen, welche Aufgabe du übernehmen kannst und warum gerade dort.

Wann eine Initiativbewerbung sinnvoll ist

Eine Initiativbewerbung ist kein Ersatz für Bewerbungen auf Anzeigen, sondern eine Ergänzung. Sie passt besonders gut, wenn:

  • du ein bestimmtes Unternehmen kennst und dort arbeiten willst, zum Beispiel weil du als Kundin oder Kunde gute Erfahrungen gemacht hast,
  • du in einer Region suchst, in der wenige Stellen öffentlich ausgeschrieben werden,
  • du einen Beruf hast, der in vielen Betrieben gebraucht wird, etwa im Handwerk, in der Pflege oder in der Logistik,
  • ein Unternehmen wächst, einen neuen Standort eröffnet oder ein neues Produkt startet,
  • du einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz suchst und der Betrieb keine Anzeige geschaltet hat.

Weniger sinnvoll ist sie, wenn du nicht sagen kannst, welche Aufgabe du suchst. „Ich nehme alles“ zwingt die Leserin, sich selbst eine Stelle für dich auszudenken. Das macht kaum jemand.

Recherche: Was braucht das Unternehmen?

Ohne Anzeige ersetzt deine Recherche die Liste der Anforderungen. Diese Quellen helfen:

Quelle Was du dort erfährst
Karriereseite Abteilungen, Werte, ausgeschriebene Stellen in ähnlichen Bereichen, oft ein Kontakt für Initiativbewerbungen
Ältere Stellenanzeigen welche Fähigkeiten in deinem Wunschbereich bisher gesucht wurden
Pressemitteilungen und Lokalzeitung Wachstum, neue Projekte, Standorte
Berufliche Netzwerke Namen von Abteilungsleitungen und Recruiting
Messen und Firmenveranstaltungen ein persönliches Gespräch, auf das du dich später beziehen kannst
Eigene Erfahrung was dir als Kundin, Kunde oder Partner aufgefallen ist

Ältere Anzeigen sind besonders wertvoll. Sie zeigen, welche Begriffe das Unternehmen selbst verwendet. Diese Sprache übernimmst du in Anschreiben und Lebenslauf, sofern sie deine Erfahrung zutreffend beschreibt.

Die richtige Ansprechperson finden

Eine Initiativbewerbung an „Sehr geehrte Damen und Herren“ landet oft in einem allgemeinen Postfach. Besser ist eine konkrete Person:

  1. Schau auf der Karriereseite nach einem Kontakt für Initiativbewerbungen.
  2. Suche in beruflichen Netzwerken nach der Leitung der Abteilung, in die du möchtest.
  3. Ruf an und frag freundlich, wer für deinen Bereich zuständig ist und ob Initiativbewerbungen erwünscht sind.

Der Anruf hat einen zweiten Vorteil: Du kannst dich im Anschreiben darauf beziehen. „Vielen Dank für das freundliche Telefonat am Dienstag“ zeigt, dass du dich vorab gekümmert hast.

Betreff und Einstieg

Der Betreff nennt das Wort Initiativbewerbung und dein Ziel. Zwei Beispiele:

  • „Initiativbewerbung als Elektronikerin für Energie- und Gebäudetechnik“
  • „Initiativbewerbung für einen Ausbildungsplatz als Kaufmann im Einzelhandel ab August“

Im ersten Satz begründest du, warum du dich meldest. Ein konkreter Anlass wirkt am stärksten: der neue Standort, ein Gespräch auf einer Messe, ein Projekt, das du verfolgt hast. Danach folgt sofort, was du anbietest.

Der Aufbau im Überblick

Teil Inhalt
Betreff Initiativbewerbung + Ziel
Einstieg Anlass und Bezug zum Unternehmen
Angebot welche Aufgabe du übernehmen kannst
Belege zwei, drei Erfahrungen, die das zeigen
Rahmen Eintrittsdatum, gewünschter Umfang, gegebenenfalls Region
Schluss Bitte um ein kurzes Gespräch, ein Hinweis, dass du dich meldest

Wie ein Anschreiben formal aufgebaut ist, von der Absenderzeile bis zur Grußformel, erklärt der Ratgeber Anschreiben: Aufbau, Formulierungen und Beispiele. Ein vollständiges Muster mit Aufbau nach DIN 5008 findest du unter Anschreiben Muster.

Muster: Initiativbewerbung

Das Beispiel ist erfunden. Übernimm die Struktur und ersetze jeden Satz durch deine eigene Erfahrung.

Beispiel

Initiativbewerbung als Disponentin im Lager Ihres neuen Standorts

Sehr geehrte Frau [Nachname],

in der Lokalzeitung habe ich gelesen, dass [Firma] im Frühjahr ein neues Logistikzentrum in [Ort] eröffnet. Vielen Dank auch für das kurze Telefonat am Dienstag, in dem Sie mir bestätigt haben, dass Sie dafür noch Personal in der Disposition suchen.

Seit fünf Jahren arbeite ich als Fachkraft für Lagerlogistik bei einem Lebensmittelgroßhändler. Seit zwei Jahren plane ich dort die Touren für unsere Fahrer und stimme Lieferzeiten mit den Märkten ab. Wenn ein Fahrzeug ausfällt, organisiere ich mit dem Team eine Lösung, damit die Märkte trotzdem beliefert werden.

Für einen neuen Standort bringe ich mit, was am Anfang oft fehlt: Erfahrung mit Abläufen, die noch nicht eingespielt sind. Bei uns habe ich die Einführung eines neuen Lagerverwaltungssystems als Key-User begleitet und neue Kolleginnen eingearbeitet. Einen Staplerschein und den Führerschein Klasse C habe ich ebenfalls.

Ich kann mit einer Frist von drei Monaten wechseln und suche eine Stelle in Vollzeit. Ich würde mich freuen, wenn wir uns kurz kennenlernen. In zwei Wochen melde ich mich telefonisch bei Ihnen, falls ich bis dahin noch nichts von Ihnen gehört habe.

Mit freundlichen Grüßen

[Vorname Nachname]

Wie du Führerschein und Staplerschein im Lebenslauf angibst, steht im Ratgeber Führerschein im Lebenslauf.

Nachfassen ohne zu drängeln

Bei einer Initiativbewerbung ist Nachfragen ausdrücklich erlaubt, denn niemand wartet auf deine Unterlagen. So gehst du vor:

  • Zeitpunkt: etwa zwei Wochen nach dem Versand.
  • Weg: ein kurzer Anruf oder eine E-Mail an die Person, an die du geschrieben hast.
  • Inhalt: Sind die Unterlagen angekommen? Gibt es eine passende Möglichkeit oder einen besseren Ansprechpartner?
  • Ton: freundlich und kurz. Eine Absage nimmst du sachlich an und fragst, ob du in Erinnerung bleiben darfst.

Ein Beispiel für den Anruf: „Guten Tag, mein Name ist [Vorname Nachname]. Ich habe Ihnen vor zwei Wochen eine Initiativbewerbung als Disponentin geschickt und wollte fragen, ob sie angekommen ist und ob es eine passende Möglichkeit gibt.“

Bereite dich auf den Anruf so vor wie auf ein kurzes Gespräch. Wenn die Person Interesse hat, stellt sie vielleicht direkt eine Frage zu deiner Erfahrung. Mit der STAR-Methode hast du ein Beispiel parat.

Initiativbewerbung für Ausbildung und Praktikum

Manche, gerade kleinere Betriebe schreiben Ausbildungs- und Praktikumsplätze nicht aus. Dann ist eine Initiativbewerbung ein naheliegender Weg. Nenne im Betreff den Beruf und den gewünschten Beginn, im Anschreiben deinen Schulabschluss oder das voraussichtliche Abschlussdatum und erkläre, warum dich der Beruf und genau dieser Betrieb interessieren. Ein Schulpraktikum, ein Ferienjob oder ein Hobby mit Bezug zum Beruf ist dabei ein guter Beleg. Mehr dazu steht im Ratgeber Bewerbung für eine Ausbildung.

Was mit deinen Unterlagen passiert

Auch eine Initiativbewerbung enthält persönliche Daten. Nach einer Absage müssen Unterlagen laut der Bundesbeauftragten für den Datenschutz grundsätzlich gelöscht oder zurückgegeben werden, eine Aufbewahrung von höchstens sechs Monaten gilt dort als zulässig. Will ein Unternehmen dich länger für spätere Stellen vormerken, kannst du erwarten, dass es dich vorher fragt.

Häufige Fehler

  • Massenversand: Dasselbe Anschreiben an zwanzig Firmen erkennt man sofort. Lieber wenige, gut recherchierte Bewerbungen.
  • Kein Ziel: Ohne konkrete Aufgabe weiß niemand, wohin deine Unterlagen weitergeleitet werden sollen.
  • Zu viel Lob, zu wenig Angebot: Ein Satz zum Unternehmen reicht. Wichtiger ist, was du dort beitragen kannst.
  • Kein Nachfassen: Wer ankündigt, sich zu melden, sollte das auch tun.

Checkliste

  • Konkretes Unternehmen und konkrete Aufgabe gewählt
  • Ansprechperson recherchiert, Name richtig geschrieben
  • Betreff mit Initiativbewerbung und Ziel
  • Einstieg mit Anlass, danach dein Angebot
  • Zwei, drei Belege aus deiner Erfahrung
  • Eintrittsdatum und gewünschter Umfang genannt
  • Lebenslauf auf die Aufgabe zugeschnitten, siehe Lebenslauf-Tipps
  • Alles als PDF in einer Datei, mit sinnvollem Dateinamen
  • Termin zum Nachfassen im Kalender eingetragen

So hilft dir Hirezard

Hast du eine ältere oder ähnliche Anzeige des Unternehmens gefunden, fügst du in Hirezard deren Link ein. Die Anforderungen werden mit deinem Profil abgeglichen: Was ist belegt, was fehlt? Der KI-Coach schlägt ein Anschreiben vor, das nur auf deinen Angaben beruht, und markiert, wo ein Beleg fehlt. Jeden Absatz übernimmst, änderst oder verwirfst du selbst, und das Anschreiben erscheint im selben Design wie dein Lebenslauf. Du kannst es kostenlos ausprobieren.

Quellen

  1. IAB-Kurzbericht 18/2017: Neueinstellungen im Jahr 2016, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), abgerufen am
  2. FAQ Beschäftigtendatenschutz, Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, abgerufen am
  3. Das perfekte Anschreiben erstellen, Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am

So wählen und prüfen wir Quellen

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Initiativbewerbung überhaupt?

Sie kann sich lohnen, wenn du ein konkretes Unternehmen und eine konkrete Aufgabe im Blick hast. Eine Zusage gibt es nicht, aber du landest vielleicht im Gedächtnis oder, wenn du zustimmst, in einem Bewerberpool, bevor eine Stelle ausgeschrieben wird.

An wen schicke ich eine Initiativbewerbung?

Am besten an die Leitung der Abteilung, in der du arbeiten möchtest, oder an die Person aus dem Recruiting, die für diesen Bereich zuständig ist. Manche Unternehmen nennen auf der Karriereseite einen Kontakt oder bieten ein Formular für Initiativbewerbungen an.

Was schreibe ich in den Betreff?

Das Wort Initiativbewerbung und dein Ziel, zum Beispiel „Initiativbewerbung als Mediengestalterin im Bereich Social Media“. Ein Betreff ohne Ziel wie nur „Initiativbewerbung“ ist zu ungenau.

Wann darf ich nachfragen?

Nach etwa zwei Wochen bietet sich ein kurzer Anruf oder eine freundliche E-Mail an. Frag, ob die Unterlagen angekommen sind und ob es eine passende Möglichkeit gibt. Mehr als einmal nachzufassen wirkt meist aufdringlich.

Muss ich meine Gehaltsvorstellung nennen?

Bei einer Initiativbewerbung fragt dich niemand vorab danach. Du kannst sie weglassen und erst im Gespräch darüber sprechen.